Das ist Klaus, Er steht stellvertretend für viele
unserer Schüler oder Schülerinnen mit Namen wie Ali,
Monika oder Hatice.
Er kommt morgens schlecht gelaunt auf den Schulhof und schon bald wird
jemand „angemacht“. An der Schaukel müssen
andere weichen, damit er schaukeln kann. Wenn er sein Ziel erreicht
hat, ist es ihm schon nicht mehr wichtig. Er rennt los und rempelt die
am nächsten stehende Schülerin an. Die
Frühaufsicht sieht dies, geht auf ihn zu, um mit ihm
über sein Verhalten zu sprechen. Er rechtfertigt sich und
beschuldigt seine Mitschülerin. Schimpfworte fliegen. Klaus
wird immer aufgeregter, weil immer mehr Schüler und
Schülerinnen zuhören.
Dann klingelt es. - Konflikt geladen kommt er in die Klasse
und fordert sogleich Aufmerksamkeit und Zuwendung ein. Er schreit
herum, schmeißt einen Stuhl um und beschimpft
Mitschüler. Er steht im Mittelpunkt. Alle anderen
müssen warten, bis sein Problem gelöst ist. Erst dann
kann er seine Hefte und Stifte herausholen und mit der Arbeit beginnen.
Auf einmal wird deutlich, dass er auch ganz anders sein kann. Er ist
gut drauf, in kurzer Zeit hat er seine Matheaufgaben gelöst
und hilft sogar anderen. Einer Mitschülerin fehlt das Lineal,
bereitwillig bietet er ihr seines an.
Nach kurzer Zeit aber ändert sich die Situation. Seine
Konzentration lässt nach, er hat keine Lust mehr und wird
unruhig. Er geht zum Papierkorb. Auf dem Weg dorthin nimmt er einer
Mitschülerin den Stift weg, einem anderen haut er auf den
Rücken. Die Schüler beschweren sich, der Unterricht
ist gestört. Es kann nicht weiter gearbeitet werden. Klaus
steht wieder im Mittelpunkt.
Diese Situationen häufen sich, je weiter der Vormittag
voranschreitet. Die Pausenkonflikte verschärfen
zusätzlich die Situation in den folgenden Schulstunden.
Durch sein Verhalten macht er sich unbeliebt. Er eckt an und wird
schnell zum Außenseiter. Andere sehen in dem Verhalten
Stärke und erkennen ihn aus Angst als Ton angebend an.
Dabei ist er eigentlich sehr unsicher. Sein
„Stärke-zeigen“ ist oft vorgeschoben, um
die eigene Verletzlichkeit zu kaschieren.

Das ist Metin. Er steht stellvertretend für
Hülya, Waldemar oder Iris.
Metin begrüßt morgens die Frühaufsicht.
Hier traut er sich, von seinem Kinobesuch zu erzählen. Er ist
freundlich und sucht ihre Nähe und Schutz. Von den
Mitschülern hält er sich lieber fern. Die sind ihm
oft zu laut und nerven ihn. Auch hat er vor manchen Angst.
Selten,und nur wenn noch nicht viele Kinder auf dem Schulhof sind, geht
er in Richtung Schaukel. Er klettert in den Korb, aber die Schaukel
schwankt nur leicht hin und her. Richtig in Schwung kommt er nicht. Er
verlässt die Schaukel, damit keiner seine Ungeschicklichkeit
sieht.
In der Klasse geht er gleich zu seinem Platz und nimmt seine Sachen
heraus. Aber dann bekommt er das erste Arbeitsblatt. Er versteht die
Arbeitsanweisung nicht, und schon ist die Angst da: „Das kann
ich nicht!“ Er fängt nicht an zu arbeiten, wartet
auf die Zuwendung des Lehrers. Der Lehrer erklärt ihm die
Aufgabe noch einmal, übt mit ihm und macht ihm Mut. Jetzt ist
er stark genug anzufangen. Wenn er das Arbeitsblatt beendet hat, freut
er sich. Das Lob des Lehrers gibt ihm die Sicherheit, die
nächste Aufgabe anzufangen. Ähnlich ist es im
Geschichtsunterricht. Er spricht nicht gerne, traut sich nicht, sich zu
melden. Meistens wartet er darauf, aufgerufen zu werden. Aber dann hat
er Angst, die Antwort nicht zu wissen.
Deshalb geht er lieber erst noch einmal zum Papierkorb, um seinen
Bleistift anzuspitzen. Mit dieser Aktion, die mehrmals am Vormittag
abläuft, stört er keinen, meistens akzeptieren es die
anderen. Manchmal machen sie sich aber auch über ihn lustig.
Das tut ihm weh und er zieht sich für den Rest der Stunde in
sich zurück.
Neben Schülerinnen und
Schülern wie
Klaus, Metin, Waldemar, Ali, Hülya, Monika, Hatice und Iris
gibt es
an der Schule am Kupferhammer z.Zt. noch mehr als 160 andere Kinder und
Jugendliche. Doch alle sind einzigartig in ihren Stärken und
Schwächen.
Wir Lehrer orientieren uns an der
Individualität jedes Einzelnen. In einem individuellen
Förderplan halten wir fest, was jeder Schüler / jede
Schülerin an Forderung und Förderung
benötigt.
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